Diskussionskultur in gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Debatten

Positionspapier: Diskussionskultur in gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Debatten

Im Zuge der gesellschaftlichen Debatten über Sexualität, sexuelle Gewalt und Sexualpädagogik waren und sind mehrere Wissenschaftler_innen in jüngster Zeit massiven persönlich diffamierenden und beleidigenden Attacken ausgesetzt. Die Angriffe erstrecken sich von unsachlicher und einseitiger medialer Berichterstattung über gezielte herabwürdigende Kampagnen in sozialen Netzwerken bis hin zur anonymen Androhung körperlicher Gewalt. Als Netzwerk von Juniorprofessor_innen, die sich in unterschiedlicher Weise mit sexueller Gewalt in pädagogischen Kontexten auseinandersetzen, solidarisieren wir uns ausdrücklich mit den betroffenen Kolleg_innen und wenden uns entschieden gegen die derzeitige Verrohung der Diskussionskultur. Die öffentliche Unterstützung der von Angriffen betroffenen Kolleg_innen sollte auch deswegen selbstverständlich sein, weil sie die Voraussetzung darstellt, für einen angstfreien, produktiven und ggf. durchaus kontroversen wissenschaftlichen Diskurs. Die Grundlage jeder gelingenden Diskussion und Auseinandersetzung bildet nach unserer Überzeugung eine angemessene Diskussionskultur.

Grundsätze einer solchen Diskussionskultur sind:

  • Kritische Debatten können nur dann stattfinden, wenn persönliche Grenzverletzungen vermieden werden und die Integrität der anderen Debattenteilnehmer_innen geachtet wird. Drohungen und Erniedrigungen, Hohn und Aggressivität, Beschimpfungen, persönliche Diffamierungen, Verbreitung haltloser und kränkender Gerüchte sowie bewusst falsche Anschuldigungen, sind Handlungen, die Menschen persönlich schaden und somit in erster Linie eine gesellschaftliche und wissenschaftliche Diskussion verhindern sollen.

  • Kernprämisse aller produktiven und zielführenden Debatten ist die gründliche und sorgfältige Recherche der thematisierten Fakten sowie ihrer angemessenen Darstellung. Fakten, die aus dem Zusammenhang gerissen und ohne Erläuterung des jeweiligen Argumentationsgangs präsentiert werden, sind unlauter und irreführend. Eine möglichst weitreichende Orientierung an den Standards wissenschaftlichen Arbeitens auch in öffentlichen Debatten bezieht sich ebenso auf die Angabe der verwendeten Quellen. Sachlichkeit und Präzision in der Wortwahl sind insbesondere bei hoch sensiblen Themenbereichen geboten.

  • Auch Debatten über Sexualität und Geschlecht sind für wissenschaftliche Forschung, gesellschaftliche Aushandlung und kritische Auseinandersetzung notwendig und wichtig. Insbesondere bei Debatten um solche, für Menschen prägende, Bereiche, sind präzise Argumentation, Anerkennung anderer Positionen und eine Trennung von persönlichen Einstellungen und wissenschaftlichen Forschungsergebnissen elementar.

 

Arne Dekker, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf                                                                            
Anja Henningsen, Universität Kiel
Alexandra Retkowski, Universität Kassel
Heinz-Jürgen Voß, Hochschule Merseburg
Martin Wazlawik, Universität Münster

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